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Altersarmut in Deutschland: Zahl der Grundsicherungs-Empfänger steigt weiter
Die Zahl der älteren Menschen in Deutschland, die auf staatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt angewiesen sind, steigt weiter an. Im Dezember 2025 bezogen rund 764.000 Personen im Rentenalter Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner aktuellen Pressemitteilung meldet. Insgesamt erhielten 1,29 Millionen Menschen Leistungen dieser Grundsicherung – das waren 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Grundsicherung nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) springt ein, wenn die eigene Rente und vorhandenes Vermögen nicht für den Lebensunterhalt ausreichen. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann die Leistung beim örtlichen Sozialamt beantragen. Die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher ist seit Jahren nach oben gerichtet: Ende 2023 hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamts bereits über 1,2 Millionen Personen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bezogen.
Armutsquote bei Älteren über dem Bundesdurchschnitt
Die Entwicklung deckt sich mit den Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Nach dessen Armutsbericht ist die Armutsquote bei Rentnerinnen und Rentnern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und liegt inzwischen über der Gesamtarmutsquote. Für Deutschland wies der Mikrozensus zuletzt eine Armutsquote von 16,6 Prozent aus, wie der Paritätische Gesamtverband mitteilte. Insgesamt lebten demnach mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland in Armut.
Besonders ausgeprägt ist die Armutsgefährdung im Alter unter bestimmten Gruppen: Frauen, die wegen Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen lange Teilzeit gearbeitet oder unterbrochene Erwerbsbiografien haben, Menschen mit langen Phasen gering entlohnter Beschäftigung sowie langjährig Selbstständige ohne ausreichende Altersvorsorge gelten als überdurchschnittlich betroffen. Die Deutsche Rentenversicherung weist in ihren Publikationen wiederholt darauf hin, dass niedrige Rentenansprüche häufig auf Teilzeitarbeit, Minijobs und Erwerbsunterbrechungen zurückgehen.
Regional unterscheiden sich die Quoten erheblich. Nach Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands liegen die höchsten Armutsquoten unter Älteren in Stadtstaaten wie Bremen, während sie in Teilen Süddeutschlands niedriger ausfallen. Der Verband verweist in diesem Zusammenhang auf unterschiedliche Arbeitsmarktstrukturen und Lebenshaltungskosten, insbesondere bei den Wohnkosten. Auch die Tafeln in Deutschland berichten von einem wachsenden Anteil älterer Menschen unter ihren Kundinnen und Kunden – insgesamt versorgen die Tafeln nach eigenen Angaben rund 1,5 Millionen Menschen, darunter zunehmend Rentnerhaushalte.
Viele Berechtigte beantragen die Leistung nicht
Fachverbände und Beratungsstellen gehen davon aus, dass die amtlichen Zahlen das Ausmaß der Altersarmut nur teilweise abbilden. Ein erheblicher Teil der Anspruchsberechtigten stellt keinen Antrag auf Grundsicherung – aus Scham, Unkenntnis oder wegen der als abschreckend empfundenen Antragsverfahren. Schätzungen, auf die sich Sozialverbände und die Beratungsangebote der Wohlfahrtsorganisationen beziehen, gehen von mehreren hunderttausend nicht in Anspruch genommenen Fällen aus. Damit bleibt die sogenannte verdeckte Armut ein strukturelles Problem, das in der amtlichen Statistik nicht sichtbar wird.
Die Freie Wohlfahrtspflege empfiehlt Betroffenen, sich frühzeitig beraten zu lassen. Träger wie Caritas und Diakonie bieten bundesweit Sozialberatung an, in der Ansprüche auf Grundsicherung, Wohngeld und weitere Leistungen geprüft werden. Auch die Deutsche Rentenversicherung unterhält ein Netz von Beratungsstellen, in denen Versicherte ihren Rentenanspruch und ergänzende Leistungen klären können. Zudem verweisen die Beratungsstellen darauf, dass seit Einführung der Grundrente 2021 bestimmte langjährig Versicherte mit niedrigen Einkommen einen Zuschlag auf ihre Rente erhalten, der die Inanspruchnahme von Grundsicherung in einzelnen Fällen vermeiden kann. Die Grundrente wird dabei von der Rentenversicherung von Amts wegen geprüft; ein gesonderter Antrag ist nicht erforderlich.
Welche Faktoren die Entwicklung treiben
Für den Anstieg der Empfängerzahlen nennen Fachleute mehrere Ursachen: Die gestiegenen Lebenshaltungskosten, insbesondere für Wohnen und Energie, treffen Haushalte mit kleinen Renten überproportional, weil diese Haushalte einen größeren Anteil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse aufwenden. Gleichzeitig erreichen zunehmend Jahrgänge das Rentenalter, in denen Teilzeitbeschäftigung und atypische Beschäftigungsverhältnisse verbreitet waren. Hinzu kommt, dass die Zahl der älteren Menschen insgesamt wächst – dadurch steigt auch die absolute Zahl der potenziell Betroffenen, selbst wenn die Quote unverändert bliebe.
Die demografische Entwicklung verschärft die Lage zusätzlich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird der Anteil der Menschen im Rentenalter an der Gesamtbevölkerung in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Ob die Rentenansprüche dieser Jahrgänge ausreichen werden, hängt nach Einschätzung der Sozialverbände maßgeblich davon ab, wie sich Beschäftigungsformen, Lohnniveau und Erwerbsunterbrechungen entwickeln. Frauen bleiben dabei besonders gefährdet, weil ihre durchschnittlichen Rentenansprüche nach wie vor deutlich unter denen der Männer liegen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte anlässlich seines jüngsten Armutsberichts vor einer Verschärfung der Armut in Deutschland gewarnt und sich gegen Kürzungen im Sozialsystem ausgesprochen. Unabhängig von der politischen Bewertung bleibt die statistische Entwicklung messbar: Sowohl die Zahl der Grundsicherungsbezieher im Alter als auch die Armutsquote unter Seniorinnen und Senioren zeigen nach den verfügbaren amtlichen Daten nach oben.
Für Betroffene bleibt zentral, vorhandene Ansprüche zu kennen. Neben der Grundsicherung im Alter kommen je nach Lebenssituation Wohngeld, Leistungen der Rentenversicherung wie die Grundrente sowie kommunale Vergünstigungen in Betracht. Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände und der Rentenversicherung prüfen die individuelle Lage unentgeltlich und helfen auch bei der Antragstellung. Wer unsicher ist, ob ein Anspruch besteht, kann sich an das örtliche Sozialamt, die Seniorenberatung der Kommune oder die Beratungsstellen von Caritas und Diakonie wenden.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung zu Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
- Statistisches Bundesamt (Destatis): GENESIS-Online, Tabelle 22151 – Empfänger von Grundsicherung
- Der Paritätische Gesamtverband: Aktuelle Zahlen zu Armut in Deutschland (Mikrozensus)
- Deutsche Rentenversicherung: Informationen zur Grundrente



