Kältehilfe gestartet: Notübernachtungen und Kältebusse im Einsatz

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Mit dem 1. November hat in Deutschland die Kältehilfe für obdachlose Menschen begonnen. Diakonische und kirchliche Einrichtungen, kommunale Träger und Hilfsorganisationen öffnen zusätzliche Notübernachtungen, Tagesaufenthalte und Wärmestuben und schicken Kältebusse auf die Straßen. Das bestätigen Diakonie Deutschland und die zuständigen Sozialbehörden. Die Angebote laufen in der Regel bis Ende März und richten sich an Menschen ohne Unterkunft – eine Gruppe, deren Zahl nach den vorliegenden Schätzungen zuletzt weiter gestiegen ist.

Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch erklärte zum Start der diesjährigen Kältehilfe, dass die Kommunen zwar rechtlich verpflichtet seien, obdachlose Menschen unterzubringen, dieser Verpflichtung jedoch nicht alle nachkämen. „In den kalten Monaten kann das zur Lebensgefahr werden“, so Schuch. Er verwies auf die Rolle der freiwilligen Helferinnen und Helfer sowie der Spenderinnen und Spender, ohne die Notübernachtungen, Suppenküchen und Kältebusse nicht arbeiten könnten. Sein Appell an die Kommunen: sich auch über die Kältehilfe hinaus um obdachlose Menschen zu kümmern. „Die Kältehilfe rettet Leben“, sagte der Diakonie-Präsident.

Nach Angaben der Diakonie organisieren ihre Einrichtungen bundesweit Notübernachtungen, Tagesaufenthalte und Wärmestuben. Kältebusse sind demnach mit zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterwegs und versorgen Menschen auf der Straße direkt mit warmen Getränken, Decken und Schlafsäcken.

Zahl der Wohnungslosen auf Höchststand

Die Zahl der Betroffenen ist zuletzt deutlich gestiegen. Der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zufolge waren im Jahr 2024 mindestens 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos, gegenüber 928.000 im Jahr 2023. Das ergab die Hochrechnung, die der Verband im November 2025 vorgestellt hat. Rund 56.000 der Betroffenen lebten demnach ganz ohne Unterkunft auf der Straße. Im Vergleich der Jahresgesamtzahlen ergibt sich zwischen 2023 und 2024 ein Anstieg um elf Prozent.

Als wohnungslos gilt nach der Definition der BAG W, wer über keine eigene mietrechtlich abgesicherte Wohnung verfügt – dazu zählen auch Menschen in Notunterkünften und bei Angehörigen oder Bekannten. Die BAG W führt den Anstieg vor allem auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Armut und den Rückgang der Sozialwohnungen zurück. Ihre Vorsitzende Susanne Hahmann warnte, die Wohnungslosigkeit habe einen Höchststand erreicht, ein Ende sei nicht in Sicht. Laut einer Umfrage des Verbandes sind zudem 17 Prozent der Einrichtungen und Dienste der Wohnungsnotfallhilfe von finanziellen Kürzungen bedroht oder bereits betroffen.

Kommunen verstärken ihre Winterprogramme

Kommunen legen ihre Winterprogramme ebenfalls neu auf. In Hamburg startete das Winternotprogramm am 1. November und läuft bis zum 31. März, wie die Sozialbehörde mitteilte. Zusätzlich zu den ganzjährigen Notübernachtungsstätten mit bis zu 390 Plätzen kommen der Behörde zufolge rund 700 weitere Übernachtungsplätze in zwei neuen Standorten sowie etwa 90 Container-Plätze bei Kirchengemeinden und Hochschulen hinzu – insgesamt rund 1.100 Plätze für den Winter.

Neu ist nach Angaben der Behörde eine verbindliche Sozialberatung: Wer länger als drei Nächte im Winternotprogramm übernachtet, muss künftig an einer Beratung teilnehmen. Ziel sei es, Sozialleistungsansprüche frühzeitig zu klären und möglichst vielen Menschen den Wechsel in die Regelversorgung zu ermöglichen. Die Nutzung des Programms ist kostenlos; im vergangenen Winter musste laut Behörde niemand aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden. Die Übernachtungsstandorte öffnen täglich von 17 bis 9.30 Uhr, ergänzt durch Tagesaufenthaltsstätten am Vormittag und Nachmittag sowie medizinische Grundversorgung, Kleiderkammer und Verpflegung.

Wie Bürgerinnen und Bürger helfen können

Für Menschen, die obdachlosen Personen begegnen, nennen die Hilfsorganisationen unkomplizierte Möglichkeiten zu helfen: etwa den Hinweis auf die nächste Notübernachtung oder Tagesaufenthaltsstätte, bei akuter Gefährdung durch Kälte den Anruf bei Rettungsdienst oder Polizei sowie Spenden von Geld oder warmen Sachen an die örtlichen Träger. Die Diakonie betont, dass die Arbeit der Kältehilfe maßgeblich auf freiwilligem Engagement und finanzieller Unterstützung beruhe. Regional organisierte Kältebusse sind zudem in vielen Städten über öffentlich bekannte Rufnummern erreichbar, die die jeweiligen Kommunen und Träger bereitstellen.

Ob die Kapazitäten in diesem Winter ausreichen, hängt nach Einschätzung der Träger von der Witterung und der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt ab. Die BAG W fordert in diesem Zusammenhang eine Ausweitung des Sozialwohnungsbaus, ein flächendeckendes Netz präventiver Hilfen und keine Kürzungen in der Wohnungsnotfallhilfe. Bis dahin bleibt die Kältehilfe das, was ihr Name sagt: eine Notfallmaßnahme für die Monate, in denen ein Platz im Warmen über Leben und Tod entscheiden kann.

Quellen

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