Mehrgenerationenhäuser: Über 520 Häuser stärken das Miteinander der Generationen

0
(0)

Rund 520 Mehrgenerationenhäuser sind derzeit in ganz Deutschland aktiv. Das geht aus den Angaben des Bundesprogramms „Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander“ hervor, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wird. Die Häuser verstehen sich als offene Treffpunkte, in denen Menschen aller Generationen Angebote nutzen und selbst gestalten können. Nach Angaben des Programms engagieren sich etwa 30.000 Ehrenamtliche in den Häusern.

Hintergrund ist der demografische Wandel: Die Anzahl der Menschen im Alter ab 70 Jahren ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) zwischen 1990 und 2025 von acht auf 14 Millionen gestiegen. Jede fünfte Person in Deutschland ist älter als 66 Jahre, jede zweite älter als 45. Gleichzeitig verändert sich das Zusammenleben in Stadt und Land – Mehrgenerationenhäuser sollen gleichwertige Lebensverhältnisse und gute Lebensqualität für alle Altersgruppen unterstützen.

Gefördert werden die Häuser im Rahmen des Bundesprogramms „Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander“. Das Programm wird vom BMFSFJ verantwortet und richtet sich an Kommunen sowie freie und gemeinnützige Träger. Auf der Programmwebsite heißt es, die Häuser trügen dazu bei, das Miteinander von Jung und Alt zu stärken, Unterstützung im Alltag anzubieten und die Attraktivität der jeweiligen Kommune zu erhöhen. Zuletzt wurden die Qualitätskriterien für die Häuser unter Mitwirkung zahlreicher Standorte aktualisiert – unter anderem mit Präzisierungen zur digitalen Begegnung und zu aufsuchenden Angeboten.

Was Mehrgenerationenhäuser anbieten

Das Angebotsspektrum der Häuser ist breit. Es reicht von Eltern-Kind-Gruppen und Hausaufgabenbetreuung über Beratungsangebote für pflegende Angehörige bis zu Sprachkursen und Computerhilfen für ältere Menschen. Nach Angaben des Programms nutzen die Besucherinnen und Besucher durchschnittlich drei der insgesamt über 10.000 Angebote. Rund 2.000 dieser Angebote sind haushaltsnah, also auf Entlastung im Alltag ausgerichtet – etwa Kochkurse, Mittagstische oder Nachbarschaftshilfen.

Die Finanzierung erfolgt als Festbetragsfinanzierung: Das BMFSFJ bezuschusst jedes Haus mit einem festen Jahresbetrag; Kommunen und Träger – häufig Wohlfahrtsverbände, freie Träger oder kommunale Einrichtungen – ergänzen die Mittel. Die Häuser verstehen sich dabei nicht als Ersatz für professionelle soziale Dienste, sondern als niedrigschwellige Begegnungsorte. Ziel ist es nach Programmangaben, dass Menschen sich einbringen können, ohne Mitglied werden oder lange Anmeldewege gehen zu müssen.

Ehrenamt als tragende Säule

Getragen werden die Mehrgenerationenhäuser zu einem erheblichen Teil von Ehrenamtlichen. Rund 30.000 Menschen engagieren sich nach Angaben des Bundesprogramms in den über 520 Häusern – sie leiten Kurse, begleiten Seniorinnen und Senioren zu Behördenterminen, organisieren Feste oder kümmern sich um die Vermittlung von Nachbarschaftshilfe. Das Spektrum der Aufgaben ist vielfältig und reicht von der Kinderbetreuung bis zur digitalen Erstberatung.

Das Ehrenamt steht jedoch bundesweit unter Druck: Vereine und soziale Einrichtungen berichten seit Jahren von sinkenden Engagementszahlen, insbesondere bei jüngeren Menschen. Vor diesem Hintergrund setzen viele Mehrgenerationenhäuser auf flexible Engagementformen, die sich mit Beruf und Familie vereinbaren lassen – etwa kurzfristige Projekteinsätze statt dauerhafter Verpflichtungen. Aktuelle Qualitätskriterien des Programms wurden zudem unter Mitwirkung zahlreicher Häuser aktualisiert und präzisieren unter anderem das generationenverbindende Arbeiten, digitale Begegnungsformate und aufsuchende Angebote.

Beispiele aus der Praxis

Die konkrete Ausgestaltung variiert je nach Standort. Das Mehrgenerationenhaus Bernsdorf in Sachsen knüpft nach eigenen Angaben mit der Initiative „Mehr Chancen für Kinder im ländlichen Raum“ ein Hilfsnetz gegen Kinderarmut und kooperiert dabei eng mit Akteuren im gesamten Landkreis. In Beckum in Nordrhein-Westfalen entlasten geschulte Freiwillige im Rahmen eines Projekts zur ehrenamtlichen Pflegebegleitung Angehörige – unter anderem bei gemeinsamen Spaziergängen oder Gesprächen. In Altenkirchen lernen junge Geflüchtete in einem monatlichen Treffen, wie Demokratie in Deutschland praktisch funktioniert.

Solche Projekte zeigen laut Programmleitung, dass die Häuser ihre Angebote an die jeweiligen lokalen Bedarfe anpassen. Ob Repair-Café, Pflanzenbörse oder Familienfest: Bei den bundesweiten Aktionstagen 2026, die unter dem Motto „Orte voller Leben – Orte, die verbinden“ standen, beteiligten sich nach Angaben des Programms rekordverdächtig viele Häuser und Besucherinnen und Besucher.

Für Familien bedeuten Mehrgenerationenhäuser nach Einschätzung des BMFSFJ konkrete Entlastung im Alltag – etwa beim Spagat zwischen Beruf, Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen. Gleichzeitig bieten sie älteren Menschen Möglichkeiten zur Teilhabe, die über klassische Seniorenangebote hinausgehen. Das Programm nennt das Ziel, das Miteinander von Jung und Alt aktiv zu stärken und die Attraktivität der Kommunen zu erhöhen.

Auch für Kommunen sind die Häuser aus fachlicher Sicht relevant: Sie bündeln Angebote, die sonst an unterschiedlichen Stellen organisiert werden müssten, und schaffen damit eine erreichbare Anlaufstelle im Quartier. Gerade in ländlichen Räumen, in denen soziale Infrastruktur weiter auseinanderliegt, komme dieser Funktion eine besondere Bedeutung zu, heißt es im Programm. Die Ideenkonferenzen 2026, an denen Vertreterinnen und Vertreter der Häuser aus ganz Deutschland in Potsdam und Stuttgart teilnahmen, standen unter dem Leitgedanken „Caring Communities – Gemeinsam Verantwortung übernehmen“.

Wer ein Mehrgenerationenhaus in der eigenen Nähe sucht, findet auf der Website des Bundesprogramms eine bundesweite Suchfunktion. Dort lassen sich die Häuser nach Ort oder Namen filtern; die jeweiligen Angebote und Öffnungszeiten sind bei den einzelnen Häusern direkt aufgeführt. Ein Besuch ist nach Programmangaben in der Regel ohne Anmeldung möglich.

Quellen

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?